Pressererklärung zur Personalsituation am Christoph-Probst-Gymnasium
Bildungsnotstand und Lehrermangel an staatlichen Schulen sind derzeit allgegenwärtige Themen, die fast alle Schulen betreffen – die aktuelle Situation am Christoph-Probst-Gymnasium (CPG) in Gilching nimmt nach Ansicht des dortigen Elternbeirates mittlerweile jedoch alarmierende Formen an.
Vor zwei Jahren erklärte sich das CPG bereit, als so genannte „Seminarschule“ Lehramtsanwärtern die Möglichkeit zu geben, ihre letzten Ausbildungsabschnitte an dieser Schule zu absolvieren. Neben der Belastung des Lehrerkollegiums durch die damit verbundene Betreuung der Auszubildenden bedeutete dies schon bisher für die Schüler einen sehr häufigen Wechsel der Unterrichtenden, nicht selten sogar innerhalb eines Schulhalbjahres und den regelhaften Einsatz pädagogisch noch Unerfahrener auch in Kernfächern wie Deutsch oder Englisch.
Nach aktuellen Plänen des Kultusministeriums soll dieser Seminarbetrieb nun zum kommenden Schuljahr noch einmal entscheidend ausgeweitet werden: als erst die zweite Schule überhaupt in Deutschland soll am CPG ein zweiter Seminarzweig in ein und demselben (Kern)Fach, Englisch, etabliert werden. Dies führte angesichts der dann noch größeren Zahl auszubildender Lehrerinnen und Lehrer zwangsläufig zu einer nochmals deutlich stärkeren Fluktuation des Lehrpersonals. Besonders gravierend ist jedoch, dass dann der überwiegende Teil des Englischunterrichtes in fast allen Klassenstufen als Regelfall durch pädagogisch unerfahrene Lehramtsanwärter abgedeckt würde – erfahrene Lehrkräfte müssten zunehmend anstelle ihrer Kernaufgabe des Unterrichtes für Schüler Betreuungsfunktionen für Referendare übernehmen. Die gerade vom Kultusministerium im Zusammenhang mit dem achtstufigen Gymnasium (G 8) immer wieder lautstark erhobene Forderung nach nachhaltigem Lehren und Lernen und vernetztem, fächerübergreifenden Arbeiten würde in dieser Situation durch die aus eben dem selben Ministerium stammenden Beschlüsse konterkariert und ad absurdum geführt.
Spätestens diese Entscheidung des Kultusministeriums würde die ohnehin prekäre Personalsituation am Christoph-Probst-Gymnasium und die damit für alle Mitglieder der Schulfamilie verbundene Belastung ins Unerträgliche steigern:
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Schon jetzt werden 10% der gesamten Unterrichtszeit am CPG durch so genannte „Quereinsteiger“ abgedeckt – diese haben in der Regel keinerlei pädagogische Qualifikation oder Erfahrung, müssen auch fachlich nur bescheidene Mindestanforderungen (z.B. ein erstes Staatsexamen im zu unterrichtenden Fach) nachweisen und werden wie die Lehramtsanwärter ebenfalls oft nur halbjahresweise (oder noch kürzer) angestellt.
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Ein Viertel der im kommenden Schuljahr notwendigen Unterrichtsstunden können aus dem dann aktuellen Personalbestand des CPG nicht bestritten werden – hier sind zusätzliche Pädagogen beim Kultusministerium beantragt. Die Schulleitung des CPG geht jedoch davon aus, dass das Kultusministerium mindestens für die Hälfte der benötigten Lehrer der Schule lediglich die finanziellen Mittel zu eigenständigen Suche nach Pädagogen auf einem leergefegten Personalmarkt zur Verfügung stellen wird.
Die entstandene Kombination aus dem Mangel an erfahrenen Lehrerinnen und Lehrern, deren zunehmender Überlastung durch Zusatzfunktionen in der Betreuung von immer mehr Auszubildenden verbunden mit dem kurzatmigen Einsatz pädagogisch (noch) nicht qualifizierter Lehramtsanwärter und Quereinsteiger belastet Lehren, Lernen und Leben am CPG in einer für alle Mitglieder der Schulfamilie unzumutbaren Art und Weise.
Angesichts dieser desolaten personellen Gesamtsituation und der geplanten Ausweitung des Seminarbetriebes im Fach Englisch wandten sich Schulleitung, Lehrerkollegium und Elternbeirat des CPG mehrfach direkt an das Kultusministerium: die schriftlich formulierten Einwände wurden bis zum heutigen Tage ignoriert, die Bemühungen des Elternbeirates um ein persönliches Gespräch mit dem zuständigen Ministerialrat wurden von diesem in autokratischer Manier abgewiesen.
Die Betreuung einer Schülerin/eines Schülers an einem bayerischen Gymnasium über mindestens ein ganzes, idealerweise sogar zwei Schuljahre von ein und demselben fachlich wie pädagogisch qualifizierten und berufserfahrenen Pädagogen entwickelt sich von einer selbstverständlichen und unverzichtbaren Normalsituation zu einem in der Praxis nicht mehr zu realisierenden Wunschtraum aller Beteiligten – eine aus der Sicht des Elternbeirates inakzeptable Entwicklung.
Der Elternbeirat des Christoph-Probst-Gymnasiums Gilching fordert daher das Kultusministerium auf, von der Einrichtung eines zweiten Englischseminars am CPG abzusehen und die Personalanforderung des CPG für das kommende Schuljahr vollständig durch die Zuweisung fachlich wie pädagogisch qualifizieren Personals zu erfüllen.


